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Watzmann 2018
April 18 – 2018 Deutsches Theater München

Watzmann Neuinszenierung “Deutsches Theater München” 18. April Premiere

Frischer Wind am Watzmann! Mathias Kellner singt die Wolken weg!

Ich bin zugegebenermaßen, ein Watzmann Fan der ersten Stunde. So war ich natürlich nicht wenig enttäuscht, als der „Godfather des Austro-Pop“, Wolfgang Ambros, seinen Abschied vom Watzmann erklärte. Die vielen Abstürze des „Buam“ haben ihm wahrscheinlich doch mehr zugesetzt, als er zugeben wollte. So ging ich zwar skeptisch, aber dennoch offen am 18. April zur Premiere der neuen Watzmann Inszenierung ins Deutsche Theater München.

Das geschichtsträchtige Haus im Herzen Münchens ist quasi das Nervenzentrum des kulturell interessierten Bajuwaren. So verwundert es wenig, dass das Haus restlos ausverkauft war. Man kann die Kultur richtig riechen, in sich einsaugen, man befindet sich 3D mäßig mittendrinnen.

Pressechef Georg Kleesattel hatte für die Promis extra einen roten Teppich aufgebaut, auf dem sich zahlreiche Fotografen versammelten. Besonders gefreut hat mich der Besuch von Günther Sigl, Chef der legendären Spider Murphy Gang. Er ist ja ein bayerisches Urgestein und hat in meiner Jugend den Rock ‘n Roll auf bayerisch, wiederbelebt und rekultiviert.

Story

Die tragische, aber durchaus nicht ernstzunehmende Geschichte von Bauer und Bua, sowie der über die Landesgrenzen weithin bekannte „Gailtalerin“ dürfte allen wohlbekannt sein. Natürlich gab es eine „Auffrischung“ und Anpassung. Vor 40 Jahren gab es noch kein Facebook und Handys waren auch noch in weiter Ferne.

Leider hat der Bauer dem Buam seinen Laptop herunterfallen lassen, weil ihn die Ansicht leicht bekleideter Damen zutiefst erregt hat. Das sorgte alleine schon für viel spontanes Klatschen und Gelächter beim Publikum.

Der neue Watzmann ist kein Watzmann ohne Wolfgang Ambros, er ist ein neuer, zeitgemäßer Watzmann, zwar ohne den „Wiener Schmäh“ vom Wolferl, dafür aber mit einer wunderbaren. Kräftigen Stimme von Mathias Kellner.

Die Hauptakteure

Mathias Kellner

Damit starte ich gleich mit dem wichtigsten Neuzugang beim Watzmann. Mathias ist ja „bergtechnisch“ kein Unbekannter, er begleitete schon die Abschiedstournee. Der gebürtige Regensburger will und kann Wolfgang nicht ersetzen, das würde auch gar keinen Sinn machen. Mathias setzt eigene Akzente und das macht er sehr gut. Der Watzmann wird halt linguistisch einfach mehr nach Bayern verrückt. Das Publikum ist durchwegs „mehrsprachig“ und versteht das Bayerische somit ohne Übersetzung. Mathias ist ein „Bullenkerl“ und dementsprechend verfügt er über genügend Lungenvolumen, um kräftig, tonhaltend und durchsetzungsstark, musikalisch eigene Akzente zu setzen.

Gitarre spielen kann er „eh“ und bei der Neuauflage, welche zweifelsohne notwendig war, setzte er bewusst andere Schwerpunkte. Das „Musicalmäßige“ nimmt inzwischen fast den gleichen Stellenwert ein, wie das Stück selbst. Die Überbrückung  zwischen den einzelnen Szenen und Liedern erleichtert den Darstellern den Wechsel zwischen ihren Rollen.

Joesi Prokopetz

Gilt als Erfinder des Austropop und bildete mit Wolfgang Ambros und Manfred Tauchen ein kongeniales Trio. „Tschosi“ begründete mit dem Song „Da Hofa“ den Grundstein zu Ambros Karriere. Der „Professor“, wie er auch liebevoll genannt wird, ist vom Watzmann gar nicht wegzudenken. Er hat sämtliche Liedtexte für das „Alpen Rustikal“ geschrieben und spielt den „Bauern“ und den „Knecht“ im Stück.

„Tschosi“ (Joesi) kombiniert Spontanität mit Wortkomik und Mimik. Beide Rollen verkörpert er perfekt, er leidet als Bauer, spielt den debilen, wortkargen Knecht in Vollendung. Das „kraxeln“ auf den Jägerstand hat er diesmal unterlassen, man wird ja auch nicht jünger! Stimmgewaltig fordert er wie immer den Löffel vom Buam, leidend trauert er um ihn, als dieser sich wegen der Gailtalerin auf den Weg zum Gipfel macht.

Klaus Eberhartinger

Das EAV Urgestein ist die Gailtalerin! Punkt – aus! Wenn er die Bühne betritt, dann bebt es im Schritt, aber holla! War Manfred Tauchen in der Rolle schon gut, der Klaus aber ist die Gailtalerin. Der Entertainer wickelt sämtliche „Mannaleit“ (Männer), um den Finger. Sämtliche Knechte und auch der Bauer werden unweigerlich „gamsig“, schalten sämtliche Hirnfunktionen aus und lassen das Blut sich in der Körpermitte sammeln. Geschickt kokettiert er mit den anderen Rollen und dem Publikum. Es bleibt genug Freiraum für spontane Situationskomik und er erntet dafür reichlich Applaus und Gelächter. Zusammen mit den Musical Darstellern bieten diese Szenen sehr viel fürs Auge, die Tanzeinlagen sind gekonnt eingeübt, aber nicht perfektionistisch.

Christoph Fälbl

„Ja mei“, der „Bua“! Ebenso wie Tschosi Prokopetz, sind Christoph seine beiden Rollen wie auf den Leib geschneidert. Ich neige nicht gerne zu Superlativen, aber der geerdete Schauspieler stellt ebenso wie Klaus und Tschosi die Optimal Besetzung dar. Das „Ruaffn“ nach dem Echo ist immer noch eine meiner Lieblingsszenen. Er hat zwar früher eher mehr „gruaffn“, aber das Publikum weiß trotzdem, wann es wie zu „echoen“ hat. So bringt er den Bauern wieder gekonnt in Verlegenheit, „untergräbt seine väterliche Instanz“ und entfleucht damit dem Kindesalter.

Als Knecht Nummer Zwei, durchaus schon mit vielen „Zwickerlein“ bedacht, geht er in jeder Szene voll auf. Die zusätzliche Mimik verleihen ihm das Prädikat „besonders unterhaltsam“. Als Bua brilliert er gekonnt, im Zusammenspiel mit Keyboarder Günter Dzikowski, bei der allseits beliebten „Wasserlass-Aktion“ vor der Gailtalerin. Das Rauschen mag gar kein Ende nehmen, ob Günter sich mit der akustischen Untermalung des Wasserrauschens absichtlich viel Zeit nimmt, könnte den Christoph irgendwann doch zur Verzweiflung treiben.

Knechte und Mägde

Die vier Mägde: Brigitte Guggenbichler (auch Regie), Mandy Menz , Gudrun Zimmermann und Susanne Rietz waren nicht nur optisch ein Augenschmaus. Die Tanzeinlagen waren gekonnt und wurden mit viel Körpereinsatz und Engagement vorgetragen. Auf blanken Busen wie bei der Abschiedstournee wurde diesmal verzichtet, trotzdem kokettieren die Damen gekonnt mit ihrer erotischen Ausstrahlung, ohne aber in irgendeiner Art und Weise, billig zu wirken.

Bei den Knechten steht wieder Futurlove Sibanda im Vordergrund. Leider hat sich der in Zimbabwe gebürtige Tänzer, eine Fuß Verletzung zugezogen und konnte somit nicht, wie gewohnt über die Bühne wirbeln. Er stellt eine echte Bereicherung des Ensembles dar. Sein durchtrainierter Body und seine positive Ausstrahlung bereichern die Musicalszenen ungemein. Wirkten die Damen leicht und locker in ihren Auftritten, so hatte ich bei den restlichen Männern den Eindruck, dass manches doch noch etwas verkrampft wirkte. Aber Ben Schobel, Julian Bender und Erich Buchebner (auch Bass) können nach der gelungenen Premiere noch mehr in ihre Abläufe eingehen.

Die Musiker

Gastmusikerin Anna Katharina Kränzlein absolvierte ihr Geigenstudium in Würzburg, als Diplom-Geigerin. Wie auch bei anderen Formaten, z.B. „Rock meets Classic“ halten wieder verstärkt klassische Instrumente Einzug in Aufführungen. Beim Watzmann passen sich die Soli sehr schön ins Gesamtgefüge ein. Fasziniert beobachtete das Publikum die schnellen Tempiwechsel und die lockere Bogenführung.

Mathias Kellner habe ich schon gewürdigt. Seine musikalische Leistung an der Gitarre, seine Stimme, das ist kein „Nachwuchs Ambros“, das ist ein gestandener Sänger und Musiker, welcher uns die Gelegenheit gibt, auch weiterhin nachzuschauen, ob auf dem Watzmann noch alles seine Ordnung hat. Ohne seine Überredungskraft und seinen Einsatz, wäre der Bua wohl nicht nochmals „auffiklettert“. Schon alleine aus diesem Grund gebührt ihm unsere Dankbarkeit und unser Respekt.

Die „Nummer 1 vom Wienerwald“

Wolfgang Ambros´ Haus- und Hofmusiker gehören, wie sollte es auch anders sein, zum Watzmann, wie der Schaum aufs Bier. Also eine Watzmann ohne die vier vom Wienerwald – da würde sich der Spaß für mich aufhören, ehrlich!

Durch die doch etwas schmalere Bühnenkonstruktion, muss die Band mehr zusammenrücken als sonst. So verschwindet Drummer Harry Stampfer im Dunkel (aber hören tut man ihn trotzdem!).

Der unvergleichliche Günter Dzikowski an den Keyboards: Ein Meister seines Fachs! Er hat den Watzmann so oft gespielt, würde man ihn nachts aufwecken, er könnte losspielen, ohne die Augen zu öffnen! Bei jedem Ambros Pur Konzert, oder beim Watzmann beobachte ich ihn, wie er lässig, unaufgeregt seine Einsätze hat. Sein Solo mit der Ziehharmonika bringt auch ihn verdient ins Scheinwerferlicht, den Besuchern gefällt´s.

Peter Koller an der Gitarre, betritt wie immer, im Kostüm des monströsen Fliegenpilzes, die Bühne. Seine Einsätze sind stimmig. Die E-Gitarre klingt gewohnt rockig und gibt den Songs den notwendigen Pepp.

Überhaupt ist die Aussteuerung im Saal wirklich klasse! Zu keiner Zeit gibt es Interferenzen oder Rückkopplungen.

Erich Buchebner am Bass, spielt auch bei den Knechten mit. Korrekt stellt der Bass die Grundlinie bereit. Erich ist nach dem Tod von Helmut Pichler ein fester Bestandteil der Band.

Drummer Harry Stampfer, anfangs wie üblich mit Riesen-Hirschgeweih, war leider, wie oben schon beschrieben, für Besucher im Parkett, fast unsichtbar. Er spielte Großteils mit den weichen Sticks, die harten Bass-Drums wurden stückgerecht, nur mäßig eingesetzt. Beim Watzmann sind die Musiker zwar „nur“ Begleitung der Protagonisten, aber sie sind fester Bestandteil der Aufführung. Bei manchen Liedern gibt es schnelle, wechselnde Tempi, hier geben Harry und Erich die Leitlinie perfekt vor.

Die Produzenten Peter Fröstl und Bela Rieger haben einen Watzmann produziert. Einen neuen Watzmann. Einen modernen Watzmann. Einen anderen Watzmann.

Einen Watzmann für eine neue Generation von Watzmann Fans. Einen Watzmann in dem sich auch bekennende Watzmänner wiederfinden.

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